Von Santander nach Sheffield
Mein letzter Reisetag sollte eigentlich ganz entspannt werden. Ich hatte einen Platz auf der Fähre um 14:00 Uhr ab Santander gebucht und freute mich darauf, den Großteil der 29-stündigen Überfahrt nach Portsmouth schlafend zu verbringen. Ein Freund setzte mich in Solares ab, von wo aus normalerweise regelmäßig Züge und Busse direkt zum Hafen fahren.
Allerdings hatte ich die Osterfeiertage nicht einkalkuliert. Als keiner der angekündigten Züge auftauchte, wurde mir klar, dass ich die Fähre nur noch erreichen konnte, wenn ich selbst dorthin radelte. Der Hafen lag 23 Kilometer entfernt – also vermutlich etwas mehr als eine Stunde Fahrzeit. „Das sollte machbar sein“, dachte ich.
Doch eine Stadt zu durchqueren ist selten so einfach, wie es auf der Karte aussieht. In der nächsten Stunde schwankte ich zwischen Verzweiflung und Resignation, während mich Google Maps über Treppen, Schotterwege und Kopfsteinpflaster lotste, durch überfüllte Parks führte und mich an einer Stelle sogar eine Auffahrt in Richtung Autobahn hinunterschicken wollte. Es schien völlig ausgeschlossen, die Fähre noch rechtzeitig zu erreichen.
Gegen alle Erwartungen raste ich schließlich mit nur noch sechs Minuten Vorsprung in die Abfahrtshalle. Kurz darauf wurde ich gemeinsam mit einem freundlichen Engländer, der eine „Mini-Kreuzfahrt“ mit Brittany Ferries gebucht hatte, zum Schiff gebracht.
Dank seiner Gesellschaft blieb ich auf der Heimfahrt sogar länger wach als geplant. Wir machten bei einem Pub-Quiz mit, beobachteten Delfine neben dem Schiff und hörten begeistert zu, als die Karaoke-Veranstaltung plötzlich von einem professionellen Opernsänger übernommen wurde.
Die Fähre legte um 17:30 Uhr in Portsmouth an. Obwohl Fußpassagiere als Letzte von Bord gehen, liegt der Bahnhof nur etwa zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt. Es blieb also mehr als genug Zeit, um die letzte Etappe nach Hause anzutreten.
So packst du für eine Radreise ohne Flugzeug
Anfangs hatte ich Sorge, dass ich nicht alles in nur eine 28-Liter-Tasche bekommen würde – vor allem, weil ich auf dieser Reise gleich mehrere Urlaubsarten miteinander kombiniert habe: Radfahren, Wandern und Städtetrips.
Am Ende blieb sogar noch Platz für meinen Laptop und meine Regenkleidung – beides Dinge, über die ich unterwegs sehr froh war. Da ich mit Flat-Pedalen gefahren bin, musste ich außerdem keine zusätzlichen Schuhe einpacken, was einiges an Platz sparte.
Die beiden Außentaschen der Tasche waren perfekt für meine Trinkflaschen und sorgten gleichzeitig dafür, dass sich die Tasche angenehm auf der Hüfte tragen ließ. Die übrigen Außentaschen boten genügend Stauraum für Kleinigkeiten und alles, was ich unterwegs schnell griffbereit haben wollte.
Nach Jahren des Bikepackings war es ein ungewohntes Gefühl, nur mit einer einzigen Tasche zu reisen. Gleichzeitig machte es die Reise deutlich entspannter – und es war viel einfacher, den Überblick über meine Sachen zu behalten.
Rückblick – die Herausforderungen langer Radreisen durch Europa
Ich liebe es, mehrteilige Abenteuer quer durch Europa zu planen und verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu kombinieren. Wenn du allerdings einen hektischen, stressigen Alltag hast und im Urlaub einfach komplett abschalten möchtest, ist diese Art des Reisens vielleicht nicht die richtige für dich. Für Radreisen durch Europa eignen sich meist der späte Frühling oder der frühe Herbst am besten, da du so die größte Sommerhitze in Südeuropa vermeidest.
Wenn du dagegen individuelle Reisen mit einem echten „Choose your own adventure“-Gefühl magst und Spaß daran hast, zu planen und unterwegs Lösungen für kleine Herausforderungen zu finden, wirst du das Reisen mit Zug und Brompton wahrscheinlich lieben. Als Familienurlaub würde ich persönlich eine solche Reise eher nicht planen. Allerdings kenne ich Menschen, die genau das getan haben – letztlich hängt es ganz davon ab, was für eine Familie ihr seid und welche Art von Reisen euch Spaß macht.
Einer der großen Vorteile des Reisens ohne Flugzeug ist die viele Zeit, die man bequem in Zügen und auf Fähren verbringt. Das macht diese Art des Reisens besonders attraktiv für Menschen, die gerne lesen, stricken, zeichnen oder anderen kreativen Hobbys nachgehen. Auch für digitale Nomaden kann sie ideal sein. Ich persönlich verlasse mich allerdings nur ungern auf die Internetverbindung in Zügen und nutze die Reisezeit lieber für Aufgaben, die auch offline erledigt werden können.
In mancher Hinsicht wäre die Reise ohne Fahrrad sogar einfacher gewesen. Andererseits hätte ich ohne mein Brompton deutlich weniger von Städten wie Paris oder Vitoria-Gasteiz gesehen – und meine Fähre nach Hause wahrscheinlich auch verpasst. Rückblickend würde ich deshalb auf keinen Fall darauf verzichten wollen. Tatsächlich plane ich bereits meine nächste Europareise mit Fahrrad und Zug.