Tag 2: Ein Rewe-Klo, Geranien-Idylle und Weißbier-Eis
Unsere erste Nacht verbringen wir rund 30 Kilometer südlich von München, ganz in der Nähe der Isar. Gerade als wir unsere Tarps über den Brommies aufspannen, werden wir von Hornissen attackiert, die vom Licht unserer Stirnlampen angelockt werden. Sehr laut, sehr beeindruckend und ehrlich gesagt auch ziemlich beängstigend. Doch dann setzt der Regen ein, vertreibt die Hornissen und wiegt uns schließlich in den Schlaf.
Am nächsten Morgen ist es trocken und angenehm windig. Das einzige Geräusch ist das leise Murmeln der Isar in unserer Nähe. Gerade als wir Kaffee kochen, braut sich allerdings auch am Himmel etwas zusammen. Ein Blick auf Nils’ Regenradar verrät uns, dass wir besser einen Zahn zulegen und uns einen Unterschlupf suchen sollten.
Was folgt, ist mit Abstand unser bislang schnellster Streckenabschnitt: direkt bis zum Rewe im Gewerbegebiet von Wolfratshausen. Statt romantisch am plätschernden Flussufer zu sitzen, rauschen nun Autos an uns vorbei. Aber es gibt frische Brötchen. Und eine ausgezeichnete Toilette.
Wir beschließen, jetzt einmal ganze sechzig Minuten am Stück durchzufahren. Zwölf Minuten später zwingt uns eine Seilschaukel an der Isar zum Anhalten. Danach kommen wir allerdings recht gut voran – bis am Straßenrand plötzlich ein Automat eines Bauernhofs auftaucht. Und Regeln sind schließlich Regeln.
Also legen wir einen weiteren Stopp ein und gönnen uns eine Runde erstaunlich kreatives Hof-Eis. Unsere Favoriten: Käsekuchen, Buttermilch und Weißbier. Süß, salzig, leicht herb und tatsächlich unglaublich lecker.
Die Strecke ist atemberaubend schön. Wir Norddeutschen haben die Alpenvorland-Region seit Jahren nicht mehr besucht, und sowohl die Landschaft als auch die Architektur wirken fast wie eine Filmkulisse. Überall stehen malerische Bauernhäuser, deren Balkone unter üppigen Geranien förmlich verschwinden.
Und die Isar ist ohnehin kaum zu fassen. Wie kann ein Fluss, der so unglaublich klar und türkisblau ist, mitten durch München fließen und weiter südlich sogar noch intensiver in einem fast unwirklichen Eisblau schimmern? Je näher wir den Bergen kommen, desto spektakulärer wird ihre Farbe.
Tag 3: Fahren, Falten, Genießen
Achtzig Kilometer südlich von München verbringen wir die Nacht unter unseren Tarps, geschützt nur von einem fast vollen Mond. Am nächsten Morgen lassen wir es ruhig angehen. Sehr ruhig sogar. Aber dieser Ort ist einfach zu schön. Viel zu schön, um ihn voreilig hinter sich zu lassen.
Wir frühstücken, kochen Kaffee und genießen das Gefühl, schon seit Tagen mitten in der Natur unterwegs zu sein. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen, und obwohl wir noch einiges vor uns haben, fällt es schwer, sich von diesem Platz loszureißen.
Als die Sonne schließlich hinter dem Berg hervorkommt, brennt sie erbarmungslos vom Himmel. Keine Wolke, kein Schatten weit und breit. Also treten wir auf den Brommies ordentlich in die Pedale, einfach um uns ein wenig Fahrtwind zu verschaffen. Irgendwann beschließen wir dann, auf dem direktesten Weg überhaupt die Seite der Isar zu wechseln.
An einem heißen Sommertag macht es einfach viel zu viel Spaß, einen Fluss zu durchqueren.
Die Fahrräder auf den Schultern, das kristallklare, eiskalte Wasser um unsere Füße.
Vom Sylvensteinspeicher sind wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Eigentlich gilt er als einer der bekanntesten Fotospots im Isarwinkel. Doch der Wasserstand ist ungewöhnlich niedrig, das Licht viel zu hart. Also beschließen wir, die Kameras in den Taschen zu lassen und einfach weiterzufahren.
Das ist eigentlich ziemlich typisch für unsere Reisen. Man plant eine Route rund um bestimmte Bilder, die man bereits im Kopf hat, und macht sich dann auf den Weg, nur um unterwegs völlig andere Dinge zu entdecken. Szenen, Orte und Momente, die am Ende viel spannender sind als alles, was man sich vorher vorgestellt hatte.